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Copyright: Wolfgang Behrning
2011 Rhein aufwaerts
2011 - Rhein aufwärts - 06. - 12. Juni

Montag, 06. Juni 2011

Radroute 1300345 - powered by Bikemap 
Endlich ist es soweit, die Planungen sind abgeschlossen, das Gepäck steht fertig im Flur, die Kinder sind schon unterwegs zur Schule und meine Frau macht sich auf den Weg zur Arbeit. Montag, der 06. Juni 2011 ist gekommen. Irgendwie bin ich schon etwas aufgeregt, ich habe auch nicht wirklich gut geschlafen; vor der Abfahrt noch mal schnell zum Klo, Küsschen an die arbeiten müssende bessere Hälfte und los! Zuerst noch etwas wackelig, denn schließlich habe ich neben der Lenkertasche, mit der ich sonst auch unterwegs bin, auch noch zwei Satteltaschen, ein Zelt, eine Schlafmatte und einen Schlafsack dabei, im Laufe der Kilometer jedoch immer sicherer auf den zwei 28er - Trekkingbike - Rädern, fahre ich den Weg aus meinem Dorf hinaus in die weite Welt!

Die ersten 1,5 Stunden sind weitestgehend bekannt, da ich sie schon mehrfach gefahren bin, am Unterbacher See vorbei durch den Benrather Wald bis zur Rheinfähre nach Dormagen-Zons. In Zons habe ich vor einigen Wochen ein holländisches Pärchen getroffen, das den ganzen Rhein hinunterfährt, gut ausgerüstet mit Vaude-Taschen (übrigens auch in orange, so wie meine Lenkertasche von globetrotter), Navi und perfekte Fahrradbekleidung. Das Gespräch mit ihnen hat meine Vorfreude noch gesteigert. An Zons vorbei und  südlich Richtung Dormagen / Köln direkt am Rhein entlang geht der Fahrradweg. Die Beschilderung ist hervorragend, übrigens auf der ganzen Strecke. Meine Wegbeschreibung brauche ich eigentlich nur zur groben Orientierung: wie heißt die nächste größere Stadt, wo ist der nächste Zeltplatz? Ganz gemütlich kurbele ich vor mich hin, den Blick auf den Rhein und die hier zahlreichen Gütertransportschiffe gerichtet. Die Landschaft rechts von mir ist eher eintönig, Wiesen, kleine Ortschaften, Flachland. Doch bald ist Köln erreicht, da wird es spannend wegen der Stadtdurchfahrt, die dirkt am Kölner Dom vorbei führt. Aufgrund der andauernd guten Radwegebeschilderung jedoch völlig problemlos.

In Köln-Wesseling in einem kleinen Park mache ich Mittagspause. In einem Penny-Markt kaufe ich Nudeln und Soße, dann kommt mein Gaskocher zum Einsatz. Mein erstes selbst gekochtes Mittagessen während der Tour - perfekt. Nein, leider nicht ganz so perfekt, denn ein leicht angesäuselter Radfahrer hat mich erspäht und erzählt mir einen vom Pferd - wie man so schön sagt. Da ich ihn nicht vertreibe, denn ich bin ein gutmütiger Mensch, nehme ich seine Geschichten klaglos hin, nicke mal an dieser Stelle und schüttele ungläubig mal an jener Stelle den Kopf. Er hat viele Ratschläge bezüglich Kochen, er hat noch mehr Ratschläge bezüglich meiner weiteren Strecke und .... na ja, er hat schon etwas genervt. Erst als ich fertig gegessen, ach ja, als ich so by the way bemängelte, dass ich kein Parmesan dabei habe, greift er in seine ausgebeulte Hosentasche, fördert tatsächlich ein Stück alten Gouda zu Tage und bietet ihn mir an - das war echte Situationskomik - gespült und alles wieder verstaut habe, werde ich ihn beim Weiterfahren wieder los. Wo ich doch lieber alleine sein wollte!

Übrigens, alleine sein: Ich fahre gerne und auch lieber alleine, da ich mich dann nur nach mir selbst richten muss, sowohl was Geschwindigkeit als auch Pausen angeht. Außerdem passen die Kochutensilien genau für eine Person in eine Sattelasche: zwei Töpfe, eine Pfanne, Besteck, Teller, Tasse, Kocher, Salz, Pfeffer, Papierrolle, Spülmittel, Geschirrtuch, Wischtuch. Daneben und in den Lücken ist noch Platz für Margarine, Nutella, Kaffee, Zucker und Milch. Frisch eingekauft werden müssen morgens Brötchen (gibt es fast immer auf dem Zeltplatz) und mittags Nudeln, Soße, Kartoffeln, Zwiebeln, Obst, Gemüse und Fertiggerichte. Das passt aber oft nicht alles in die eine Satteltasche und wird daher teilweise mit in die andere Tasche (eigentlich nur für Kleidung) gequetscht. Zu Zweit oder in einer größeren Gruppe muss alles organisiert werden: wer trägt das Kochgeschirr? wer kauft ein? wo und wann machen wir Pause? Um mit unseren Kindern zu sprechen: Wie lange fahren wir noch? Wann sind wir da? Was gibt es heute zu essen? --- Nichts von alledem. Alles mache ... ich und Fragen beantworte ich mir selbst! Außerdem kann ich ganz gut den Mund halten, muss also nicht dauernd quatschen wie z. B. ... aber lassen wir das. Und falls ich doch mal einen Anflug von Mitteilungsbedürfnis verspüre, gibt's dafür mein Tagebuch und später, zusammenfassend, diese homepage! Ob's Dich interessiert, was ich hier schreibe, ist mir eigentlich ziemlich egal, das ist dann Dein Problem! Trotzdem: Wie ist Deine Meinung zu dem Thema? Schreib mir doch etwas ins Gästebuch oder schick mir eine mail.

Hier übrigens meine Abend-SMS an meine Frau: "Bin kurz vorm Gewitter auf einem Platz hinter Königswinter glücklich angekommen. Habe mein erstes Mittagessen hinter mir und den ersten Hund angefahren. Sitze jetzt im Campingcafé und trinke Kölsch". Der Hund ist mir am Nachmittag in das Vorderrad gesprungen, hat etwas gejault, ist aber - auf Rückfrage beim Halter - nicht weiter verletzt. Ich übrigens auch nicht.

Dienstag, 07. Juni 2011
Die erste Nacht im Zelt ist eher mäßig: mäßig geschlafen, mäßiges Wetter, mäßiger Zeltplatz. Das Frühstück päppelt mich dann wieder auf: Brötchen, Kaffee, Nutella. Die Brötchen muss ich mir in der nahen Stadt holen, ich kann mir jedoch einen Tisch und einen Stuhl zum Zelt holen, so dass ich sehr bequem und damit auch bester Laune satt werde. Vom Aufstehen bis zum Abfahren dauert es zwei Stunden, wo bleibt da nur die Zeit: Toillette, duschen, Brötchen holen, Kaffee kochen, essen, abspülen, Zelt abbauen, Fahrrad packen. Im Laufe der Woche drücke ich die Zeit dann auf 1,5 Stunden, schneller geht es nicht.

Hinter Königswinter wird die Radstrecke am Rhein langsam schöner, der Rhein wird unmerklich schmaler und schneller, die Hügel, erst noch im Hintergrund, schleichen sich langsam immer näher heran
, die letzten Tageskilometer bis St. Goar kurz vor der Loreley sind dann wirklich toll. Immer direkt am Rhein entlang auf dem breiten Radweg der B9, nur gelegentlich unterbrochen von Ortschaften, die zum Durchfahren einladen. Rechts und links des Rheins teilweise hohe Abhänge mit Weinstöcken, den Burgen Katz und Maus, Ruine Rheinfels.

Ein Tageshöhepunkt ist die Stadtdurchfahrt von Koblenz, wo zu der Zeit die Bundesgartenschau stattfand. Ein paar Tage vorher hatte ich mit Frau und Schwiegereltern die Gartenschau besucht - sehenswert, insbesondere die Festung Ehrenbreitstein ist super hergerichtet worden für die zahllosen Touristen, die mit der extra für dieses Jahr gebauten Gondelbahn hochgekarrt wurden. Obwohl ich also schon vorher da war, fahre ich nochmals bis zum Deutschen Eck, mache dort meine Mittagspause und weiter geht's. Das Wetter ist heute wieder optimal: Sonne mit Wolken wechseln sich ab, Temperatur von 20 - 22o , was will man mehr. Ich komme jedoch noch trocken auf dem Zeltplatz in St. Goarshausen an und kann auch noch eine kleine Wandertour durch den Ort machen - lohnt sich aber nicht. Hier meine Abend-SMS: "Heute abend ist richtig Urlaub: Blick auf den Rhein, ruhiger Zeltplatz mit Tisch und Stuhl, Tomaten mit Käse und Joghurt zum Nachtisch". Ich liege gerade im Bett (also auf der Liegematte in meinem Zelt), da fängt es an zu donnern, zu blitzen, zu regnen und zu stürmen. Ich springe nochmal 'raus, um einige Leinen nachzuspannen und zusätzlich anzubringen. Bis vier Uhr mogens höre ich mir das Wetter und auch die zahlreichen Züge an, die dort links- und rechtsrheinisch vorbei fahren, bis ich endlich einschlafen kann.

Mittwoch, 08. Juni 2011
Bist du schon mal im Zelt aufgewacht und draußen regnet es und du musst erst mal schauen, ob das Zelt dicht geblieben ist? Macht nicht wirklich Spaß! Mein Zelt ist aber dicht, obwohl die Verstärkungsstreifen an den Nähten lose herunterhängen, so dass ich diese später abschneide. Ich habe sehr darauf geachtet, dass das Außenzelt an keiner Stelle das dünne Innenzelt berührt, der Boden ist auch dicht, so dass ich Glück hatte. Nach dem Frühstück im Campingcafé habe ich dann vorsichtig alle Sachen im Zelt zusammengelegt inkl. Schlafsack und Matte einrollen, das Fahrrad packen und mit dem Regenüberzug für die Satteltaschen versehen und erst am Schluss das nasse Außenzelt losmachen,  einrollen und außen mit Spannschnüren auf den Regenüberzug schnallen, fertig und los. Die Übernachtung hier war übrigens die teuerste Campingplatznacht in dieser Woche: € 14,00!

Schon auf der Fähre zurück nach St. Goar wird der Regen dünner, so dass ich bald wieder auf dem Trockenen sitze. Wenn Du Dir mal den Verlauf des Rheins ansiehst, stellst Du fest, dass dieser bei Bingen nach Osten knickt und dann auf Mainz zuläuft und dort wieder einen Knick nach Süden macht. Weder auf die Knicke noch auf Mainz hatte ich Lust, so dass ich bei Bingen landeinwärts abbiege und durch die Weinberge, über kleine Orte und mit ständigem Auf und Ab weiterfahre. Eine schöne Abwechslung, doch die Routenführung ist hier bedeutend schwieriger. Es sind wohl Fahrradwege ausgezeichnet, jedoch nicht Richtung Worms, wo mein nächstes Ziel liegt. Notgedrungen kaufe ich mir also noch eine Landkarte für dieses Gebiet, denn meine Rheinradwegkarte reicht hierfür nicht aus. Außerdem ist ja wieder schönes Wetter, so dass die Sonne auch meinen weiteren Weg nach Süden anzeigt. 

Jetzt klicke mal kurz zwischendurch auf meine "home"-Seite, was siehst du da? Genau, ein völlig verdrecktes Fahrrad (das ganze Bild gibt's in den Fotoseiten). Ich fahre so schön durch die Weinberge und habe gerade wieder eine kleine Steigung überwunden, schaue mal rechts und mal links auf die schöne grüne Landschaft und fahre gemütlich über den mit Betonplatten befestigten Weg, da sehe ich vor mir eine Anhäufung von Sand quer über dem Weg. Kein Problem für meine Trekkingreifen, denke ich noch ... und schon sitze ich fest! das Rad wird sehr abrupt gebremst, ich kann gerade noch die Füße von den Pedalen nehmen und stehe mit beiden Zehenspitzen im Schlamm, dieser gibt meinen Füßen jedoch keinen Halt und ich rutsche langsam, aber sicher weg; das Fahrrad verkantet, der Lenker schlägt um und das schwere Heck senkt sich langsam zu Boden. Ich kann mich gerade noch selbst aufrecht halten, muss mein Rad jedoch fallen lassen. Da stehe ich nun mit beiden Füßen im Schlamm, unter mir das Fahrrad, natürlich auch im Schlamm, links Weinberge, rechts in der Ferne ein einsamer Traktor, das war's. Offenbar hat der Regen heute Nacht den Boden aus dem Weinberg über die Straße gespült, der ist dort liegen geblieben und an der Oberfläche schon getrocknet, so dass es wie Sand aussah. Wenn jetzt jemand da wäre, könnte der mir helfen, ist aber nicht. Ich suche mir daher einen festen Stand, ziehe langsam und vorsichtig das Fahrrad wieder hoch bis in die Senkrechte und schiebe langsam nach rechts vorwärts, weil da wieder ein Stück Beton durchschimmert. Schon nach zwei Metern bewegt sich an meinem Rad gar nichts mehr, der Schlamm hat sich auf den Reifen aufgebaut, ist unter die Schutzbleche gekrochen und hält sich dort hartnäckig fest. Zum Glück habe ich ja schon einige Fahrradreisebücher gelesen, so dass ich weiß, was zu tun ist: Ich baue das komplette Gepäck ab, schiebe das Rad zu einer freien Stelle, nehme einen Mantelheber und kratze den Schlamm von den Reifen, von den Bremsen, unter den Schutzblechen und von der Schaltung weg. Dann kommt der Fahrtest, es knarzt ein wenig, aber es fährt. Das ganze Gepäck wieder d'rauf und weiter geht's. Das Abenteuer hat mich eine ganze Stunde gekostet, so dass ich keine Lust auf Mittagessen kochen habe und in einem Café in einem kleinen Dorf ein Schnitzel esse. Viel später erreiche ich endlich Worms und die angesteuerte Jugendherberge mitten in der Stadt am Dom. Leider gibt es in großem Umkreis keinen Zeltplatz. Dort bekomme ich ein Bett in einem 6-Betten-Raum und einen Schlauch, mit dem ich mein Fahrrad abspritzen kann. Nach dieser Tages(tor)tour gönne ich mir griechisches Essen in einem nahe gelegenen Restaurant mit Leber und Rotwein. Meine Abend-SMS (in Auszügen): "Mir geht's nach besonders schwierigen Tagen, wenn letztlich alles o.k. ist, immer besonders gut, so wie heute. Schwer - aber gut."

Die zwei Glas Rotwein sind wohl schon zuviel, denn als ich in meinem Zimmer in der JH ankomme, fehlt mir mein Handy, alles absuchen nützt nichts, kann mir also nur im Restaurant aus der Tasche gefallen sein. Ich gehe wieder zurück, frage und suche dort ... nichts. Ich gehe schlafen, kann jedoch schlecht einschlafen, weil ich immer an das vermaledeite Handy denken muss. Am anderen Morgen - wieder nüchtern - sehe ich es sofort: es liegt am Boden, leicht versteckt unter einer meiner Satteltaschen. 

Donnerstag, 09. Juni 2011
Nach einem opulenten Jugendherbergsfrühstück mit hart gekochtem Ei und viel Kaffee fahre ich jetzt wieder direkt am Rhein entlang Richtung Ludwigshafen. Wirklich schön ist die Strecke nicht, viel Industrie, wenig entgegenkommende Radfahrer, aber immerhin mit viel Rheinblick. Interessant ist die bald folgende Stadtdurchfaht durch Ludwigshafen. Die Radlerhinweise sind (fast) perfekt; Brücken 'rauf und'runter, ständige Abbiegemanöver, über Parkplätze und an Hinterhöfen vorbei weisen sie mir ohne Zuhilfenahme einer Karte den Weg. Für mich eine gut gelungene Abwechslung zu der vorherigen, eher langweiligen Strecke. Bald schon geht es am Rhein entlang weiter.

Gegen Mittag bin ich in Speyer. Heute ist wieder Essen zubereiten angesagt. Ich habe ja noch einen Teil der Nudeln, dazu kaufe ich eine Bolognesesauce, Parmesankäse und als Nachtisch einen Joghurt. Zur Zubereitung finde ich nach einmaligem Umrunden des Doms den perfekten Platz: Direkt neben dem Dom auf einer Bank. Viele Passanten beobachten mich ungläubig aus den Augenwinkeln oder schmunzeln, aber es spricht mich keiner an. So kann ich in aller Ruhe kochen, essen und abspülen. Einen Blick in den Dom schenke ich mir.

Einige Zeit später treffe ich einen Reiseradler aus Norddeutschland, der Rheinabwärts radelt. Er hat nur wenig Gepäck dabei, fährt jeden Tag mindestens 10 Stunden, schläft meistens irgendwo in den Büschen und fährt die 1.230 Km von der Quelle des Rheins (Tomasee bei Andermatt) bis zur Mündung am Hoek van Holland in zweieinhalb Wochen. Er hat die Info für mich, dass es im weiteren Rheinverlauf nach Süden keine Zeltplätze mehr in Deutschland gibt und empfiehlt mir ebenfalls die Übernachtung hinter irgendeinem Busch. Das ist mir jedoch zu heikel. Laut meiner Karte gibt es erst wieder einen Platz in Lauterbourg in Frankreich, das liegt hinter Wörth und direkt hinter der französischen Grenze. Damit fahre ich heute mit 125 Km meine längste Tagesetappe und bin ziemlich geschafft, als ich dort um ca. 19:00 h ankomme. Nach der abendlichen SMS und wenig Essen geht's heute früh ins Bett.


Freitag, 10. Juni 2011
Die heutige Etappe bis nach Kehl führt zuerst auf der französischen, linksrheinischen Seite über lange Deichwege. Das wird mit der Zeit langweilig, so dass ich bei der nächsten Gelegenheit den Rhein wieder überquere. Bei Wintersdorf ist die Rheinquerung für Radfahrer etwas unübersichtlich, teilweise fahre ich auf einem Sandweg und an Äckern vorbei, bis ich den Deich auf der anderen Seite wieder sehe. Da geht's mir übrigens genauso wie zwei größeren Radlergruppen, eine französich rheinaufwärts, eine deutsch rheinabwärts, die auch über diverse Diskussionen den rechten Weg suchen. Gemeinsam finden wir dann das Ziel. Die weitere Strecke auf der deutschen Seite ist dann richtig bezaubernd, es geht über Holzbrücken, durch Wäldchen, durch Auen- und Seelandschaften immer weiter Richtung Süden.

Am frühen Nachmittag erreiche ich Kehl, finde auch bald den Zeltplatz und gehe im nahegelegenen Freibad eine Runde schwimmen. Das Wetter ist wohl nicht mehr optimal dafür, die Sonne kommt nur gelegentlich 'raus aber für mich langt's. Im Schwimmbad esse ich dann Hamburger mit Pommes, so dass ich für den Abend gerüstet bin. Am späten Nachmittag laufe ich dann zum Bus, fahre damit über den Rhein und bin in Straßburg. Der Bus wurde mir vom Campingwart empfohlen, der mich davor warnte, mit dem Fahrrad nach Straßburg zu fahren, da es dort wohl eine hohe Kriminalität gäbe und das Fahrrad nicht sicher genug sei. Ich habe davon nicht gemerkt und bin gemütlich durch die Geschäfte und über die Einkaufsstraßen geschlendert. Beeindruckend ist der
Straßburger Münster, auch Straßburger Notre Dame genannt, den ich auch kurz von innen besichtigt habe. Am Zeltplatz habe ich dann noch bei einem kühlen Bierchen mit zwei Radlern geplaudert, die auch nach Freiburg, meinem letzten Ziel, unterwegs sind. Die beiden wollen auf der französischen Seite weiter fahren, dort gibt es einen Deich, der viele Kilometer geradeaus am Rhein entlang führt. Das ist mir aber zu langweilig, ich freue mich nochmals auf die Rheinauen und Abwechslung.

Samstag, 11. Juni 2011
Der letzte komplette Fahrradtag ist gekommen. Mittlerweile merke ich doch verstärkt die dauernde hohe Belastung der letzten Tage. Sowohl der Hintern als auch die Beine und Arme geben untrügliche, schmerzhafte Zeichen, dass ein Km-Schnitt von ca. 100 pro Tag vielleicht doch etwas zuviel ist. Ich hatte mir auch nur 80 Km am Tag vorgenommen, aber durch Umwege, fehlende Campingplätze usw. kommen doch immer einige Km mehr als geplant zusammen. Das muss ich auf späteren Reisen berücksichtigen. Trotzdem erreiche ich bald die Gegend um Freiburg und zelte ca. 10 Km vor der Stadt. Hier gibt es zwei große Plätze, einen mit Caravans und Restaurant und einen für Zelte. Mittags habe ich nochmal so richtig schön gekocht. Es gab Bratkartoffeln mit Rührei sowie Sahnehering. Trotz aufwändiger Zubereitung brauche ich inkl. Abwasch nur insgesamt eine Stunde, die ich auf einem kleinen Spielplatz mitten in Herbolzheim verbringe. Ein netter Junge von vielleicht sechs Jahren schaut mir dabei zu und unterhält mich mit seinen Geschichtchen.

Sonntag, 12. Juni 2011
Die letzten 10 Km bis zum Bahnhof in Freiburg sind dank eines schnurgeraden Fahrradweges in die Innenstadt recht schnell geschafft. Nach einer guten Beratung am Schalter halte ich das Ticket für einen Regio-Fahrt über insgesamt sechs Stationen bis Düsseldorf in Händen. Aber auch die Rückfahrt mit dem Zug wird interessant. Neben dem 5maligen Umsteigen - zum Glück brauche ich nie das Gepäck abnehmen, sondern kann immer das Fahrrad in ein separates Abteil schieben und teilweise sogar selbst in der Nähe sitzen - gibt es viele Gespräche mit anderen Radlern, die allesamt jedoch kürzere Radtouren - oft nur Tagestouren - vor sich oder hinter sich haben. Richtig voll wird's im Bereich Bingen bis Köln, wo die Räder bis zu sechs Reihen hintereinander stehen. Wenn man dann bei einer Station mit dem Rad aussteigen will, welches in der 1. Reihe steht - au weiah! Aber ich komme gut und ausgeruht in Düsseldorf an und schaffe jetzt auch noch die letzten 12 Kilometer bis nach Hause.

Fazit der Reise
600 Km in sechs Radeltagen - eine ganze Menge, die mich wohl nicht überfordert hat, aber wo n den letzten zwei Tagen die jeweils letzten 20 Km schon recht weh taten. Die schönsten Teile der Strecke liegen zwischen Bonn und Bingen und zwischen Lauterbourg und Herzbolzheim. Leider kam ich nicht bis Basel, dafür hätte ich noch einen weiteren Tag gebraucht.

Die Tour hat mir genau das gebracht, was ich wollte: Mich selbst prüfen, was ich schaffe, wie ich mich fühle und ob es mir gefällt. Und als Ergebnis kann ich nur sagen: mehr davon! Die nächste Reise im nächsten jahr kommt bestimmt.



MESZ  
   
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Überarbeitet am  
  31.05.2015  
News  
  Der Text zu meiner letzten Reise von Düsseldorf nach Berlin ist jetzt inkl. Bilder überarbeitet. Viel Spaß beim Lesen und Schauen!  
Buchrezension  
  Momentan lese ich kreuz und quer.